Es gibt viele Superlative: der höchste Mann, das längste Wort, das meist getrunkene Bier, und dann kommt auch die älteste Lederhose der Welt. Sie ist nun 134 Jahre alt, aus Hirschleder, und hätte eine Menge zu sagen, falls sie reden könnte.

Sie befindet sich in Bayrischzell, einer Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Miesbach, bei ihrem jetzigen Besitzer Klaus Pritzl. Der gute Herr ist sogar volle 58 Jahre jünger als sein historisches Eigentum. Zur Hose kam er per Zufall. Eines Tages kam der Neffe vom Kaspar Reiter vor seine Tür und gab ihm etwas, was er nicht mehr gebrauchen kann. Es war Reiters Lederhose, noch immer mit den alten Hirschhornknöpfen und Stickereien. Die Hose bekam er, weil er damals Vorsitzender des Bayrischzeller Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins war.

Kaspar Reiter war ein genauso ein Mitglied des „Vereins für Erhaltung der Volkstracht im Leitzachthale/Bayrischzell“, was am 25. August 1883 gegründet wurde. Es ist der erste Verein, der sich um die Erhaltung der Tracht kümmert. Gründer war Josef Vogl, der Dorfschullehrer von Bayrischzell, und die ersten Mitglieder waren junge Männer aus dem Dorf. Und als ob es das Schicksal so wollte, war Kaspar Reiter das Mitglied Nr. 1.

Dafür ist Klaus Pritzl heute stolzer Besitzer der wahrscheinlich ältesten Lederhose der Welt, und Josef Vogl und sein Verein haben ihre Mission erfüllt. Heute kennt jeder die Lederhose, nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit! Sicherlich eine gute Motivation um sich selber auch gute Lederhosen zu kaufen, denn hochwertige Sachen, wie wir sehen können, dauern ewig.

Daniel Njokos